Bildungsgutscheine in der Hochschulfinanzierung

Die Finanzierung von Hochschulen stellt die Politik immer wieder vor große Schwierigkeiten. In Zeiten knapper Haushalte ist es immer schwierig neue Haushaltsmittel für die Hochschulfinanzierung bereit zu stellen. Wie immer, wenn das Geld knapp ist, stellt sich daher die Frage wie die vorhandenen Mittel sinnvoll und gerecht aufgeteilt werden können. Die Finanzierung durch Bildungsgutscheine stellt eine alternative Finanzierungsform dar. In diesem Beitrag möchte ich versuchen darzulegen inwiefern diese Alternative zu besseren oder gerechteren Ergebnissen führen könnte.

  • Bildungsgutscheine erhöhen die Konsumentensouveränität, da sie den Eltern eine größere Wahlmöglichkeit bei der Nachfrage von Bildungsangeboten ermöglichen. Bei einem Gutscheinsystem erhalten letztendlich die nachgefragte Bildungseinrichtungen eine Finanzierung.
  • Bildungsgutscheine fördern die persönliche Entwicklung. Durch die gesteigerte Wahlmöglichkeit bieten sich den einzelnen Individuen größere Möglichkeiten ihre Bildung den eigenen Vorstellungen und Zielen entsprechend zu gestalten.
  • Bildungsgutscheine fördern den Wettbewerb von Bildungseinrichtungen.
  • Bildungsgutscheine sollen den Zugang zu privaten Bildungseinrichtungen erleichtern. Dies ist wohl eher in Ländern mit ausgeprägten elitären Eliteschulen der Fall. Weniger in Deutschland.

Gutscheine in der Hochschulbildung

Die private Hochschullandschaft ist in Deutschland weniger stark ausgeprägt und wird kaum aus öffentlichen Mitteln finanziell gefördert. Insgesamt ist zwar fast jede vierte Hochschule in Deutschland in privater Trägerschaft, dort eingeschrieben sind jedoch nur ungefähr 5 Prozent aller Studierenden. Auch wenn die Mehrheit der privaten Hochschulen nicht gewinnorientiert betrieben wird, so liegt der Schwerpunkt in der Ausbildung klar auf einer praxisorientierten, zumeist wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung. In ihrer Breite stellen private Hochschulen in Deutschland daher vielmehr Praxis orientierte Einrichtungen dar.

Eine weitere Schwierigkeit bei der Einführung von Bildungsgutscheinen im Hochschulbereich stellt die große Differenzierung unterschiedlicher Studiengänge dar. Die verschiedenen Studiengänge unterscheiden sich in Kosten der Bereitstellung und in der zu erzielenden Bildungsrendite. Die Bildungsrendite ist dabei individuell für die Absolventen unterschiedlich und hängt in besonderem Maße von der Studienwahl ab: Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Absolventen erzielen beispielsweise ein höheres Einkommen als Personen, die maximal über eine berufliche Ausbildung verfügen. Diese unterschiedlichen Bildungsrenditen können die Studienwahl mit beeinflussen. Gesamtwirtschaftlich besteht jedoch ein größerer Bedarf Absolventen aus MINT-Studiengängen. Der Vorteil von beispielsweise Ingenieurswissenschaftlichen Abschlüssen verglichen mit  Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Abschlüssen, gemessen an der durchschnittlichen Bildungsrendite, ist jedoch nur minimal. Bei der Einführung von Gutscheinen ist daher zu beachten genügend Menschen für gesamtgesellschaftlich relevante Studiengänge zu begeistern. Dies spricht zunächst nicht gegen ein Gutscheinsystem, da diese Schwierigkeit auch ohne Gutscheine besteht.

Gutscheinsysteme in der Praxis

Da keine allgemeinen Gutscheinsysteme in der Hochschulbildung vorliegen möchte ich einen Vorschlag diskutiert, der vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft in Zusammenarbeit mi BDA, BDI und dem Institut der deutschen Wirtschaft in Köln vorgelegt wurde.

Der Vorschlag sieht einen länderübergreifenden Gutscheinpool vor, der von den Bundesländern, beziehungsweise für ausländische Studierende vom Bund, finanziert wird. Dabei ist ein durchschnittlicher Gutscheinwert von 2.500 Euro aufgeteilt in drei Fächerkategorien vorgesehen. Problematisch erscheint hier zum einen, dass dies noch nicht einmal die zuvor genannten durchschnittlichen Studienplatzkosten decken würde. Hochschulen könnten daher dazu verleitet werden kostengünstigere Studienplätze übermäßig auszubauen. Der Gutscheinwert sollte entsprechend höher ausfallen. Zu anderen erscheint die rein kostenorientierte Fächergruppeneinteilung in Geistes- und Sozialwissenschaften, Ingenieur- und Naturwissenschaften und Medizin, als wenig zielführend, da auch hier aufgrund unterschiedlicher Bildungsrenditen Fehlanreize nicht auszuschließen sind. Diesen Fehlanreizen könnte durch ein flexibleres System von Zuzahlungen entgegen gewirkt werden. Eine Differenzierung nach Fächergruppen wäre auch hier sinnvoll. So könnte eine Differenzierung, die sich sowohl an Studienplatzkosten, Bildungsrendite und volkswirtschaftlichem Nutzen orientiert sinnvoll erscheinen.

Positiv zu bewerten an dem Vorschlag sind die Überlegungen zur Qualitätssicherung, Zuzahlungen und der Anzahl der ausgegebenen Gutscheine. Insgesamt erscheint eine alternative Hochschulfinanzierung möglich. Die noch offenen Fragen der Umsetzung ließen sich in einem politischen Diskurs lösen.

Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassung von Teilen einer meiner Publikationen. Weitere Informationen sind hier zu finden.